News 21.05.2026

CDR im Fokus: Highlights bei "Netto Null" erreichen

Climate Week Zurich 2026

2605 Sharepic Website CWZ SCRP focus Terra

Während der ersten Climate Week Zurich veranstaltete die Swiss Carbon Removal Platform in der focusTerra Sonderausstellung „KEEPITCO2OL“ an der ETH einen Tag vollgepackt mit verschiedenen Themen rund um die Frage, wie Carbon Dioxide Removal (CDR) zum Erreichen des Netto Null-Ziels beitragen kann. Nach Keynote und Paneldiskussion folgten spannende Vorträge zu verschiedenen CDR-Methoden. Die Pausen luden dazu ein, die Ausstellung zu erkunden und sich dabei mit Mitgliedern der Plattform auszutauschen.

 

Wie die Stadt Zürich ihr Netto Null-Ziel erreichen will

Netto Null ist kein Ziel in ferner Zukunft, sondern eine konkrete Infrastrukturaufgabe. René Estermann, Direktor des Umwelt- und Gesundheitsschutzes der Stadt Zürich, zeigte in seinem Vortrag eindrücklich auf, wie die Stadt Zürich die Dekarbonisierung vorantreibt. Um zu zeigen, dass Regulierung eine zentrale Rolle bei der weiteren Reduzierung spielt, startete Estermann mit dem Beispiel des Zürcher Energiegesetzes von 2022: Seit der Inkraftsetzung ist ein massiver Umschwung bei den Bewilligungen für Heizungsanlagen hin zu erneuerbaren Energien sichtbar. Damit geht auch eine deutliche Reduzierung der Emission einher. Neben den notwendigen Emissionsreduktionen setzt die Stadt auf die Abscheidung und Speicherung von CO2 (Carbon Capture and Storage, CCS) sowie Negativemissionstechnologien (Carbon Dioxide Removal, CDR). Neben dem Einkauf von Zertifikaten zum Ausgleich der verbleibenden Emissionen, werden auch die eigenen Betriebe anpasst. Beispielsweise sollen über 400'000 Tonnen CO2 jährlich an Anlagen wie der Kehrrichtverbrennungsanlage Hagenholz oder der Klärschlammverbrennungsanlage Werdhölzli abgeschieden werden. Momentan plant die Stadt Zürich zusammen mit der Stadt Basel und Akteuren aus der Industrie den Bau einer Pipeline von Zürich nach Basel, um das abgeschiedene CO2 zu verbringen. Das ist ein Schlüsselprojekt für den Anschluss an europäische Lagerstätten. Es braucht Mut und klare politische Leitplanken, um den Weg zu einer klimaneutralen Stadt konsequent zu gehen. Wie das geschehen kann, zeigte Estermann in seinem Vortrag eindrücklich. Und mit dem Verweis auf vergangene Projekte wie das Abwasser- und Abfallmanagement wurde auch deutlich, dass wir nicht vor einer unlösbaren Aufgabe stehen.

 

Paneldiskussion: Was braucht es für den sinn- und wirkungsvollen Einsatz von CDR?

Auf dem anschliessenden Panel diskutierten Christian Sutter (climeworks), Johannes Tiefenthaler (neustark), Björn Niesen (Empa) und René Estermann (UGZ Zürich) mit der Moderatorin Stephanie Bischof (Southpole). Die Diskussion verdeutlichte die Komplexität und Dringlichkeit bei der Skalierung von CDR. Die Experten waren sich einig, dass ein breites Portfolio an Massnahmen zentral ist. Da sich die verschiedenen Methoden in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden, ist das Timing beim Ausbau der Kapazitäten entscheidend. Die Schweiz verfügt über das Potenzial und eine Vielzahl an Möglichkeiten, die sie aktiv entwickeln muss. Ein wesentlicher Fokus der Debatte lag auf der Einstufung von CO2 als Abfallprodukt. Es gibt zwar einen Markt für CO2, jedoch wird die Nachfrage perspektivisch nicht im gleichen Mass steigen, wie das abgeschiedene CO2. Der Aufbau einer CO2-Infrastruktur wird daher als geschäftskritisch angesehen, um abgeschiedenes CO2 zu Lagerstätten transportieren zu können. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle hängt dabei unmittelbar an der Verbindlichkeit der Netto-Null-Ziele und passenden Rahmenbedingungen. Die Diskussion machte zudem deutlich, dass der freiwillige Kohlenstoffmarkt (VCM) für eine Skalierung von Carbon Dioxide Removal nicht ausreicht. Es bedarf staatlicher Regulierung und verbindlicher Verpflichtungen wie das Emissionshandelssystem (EHS) oder Carbon Contracts for Difference (CCfD). Ein weiterer Diskussionspunkt war die Rolle von öffentlichen Debatten. Für die gesellschaftliche Akzeptanz ist eine offene Diskussion über den Verbleib und die Speicherung von CO2 unerlässlich. Dabei sind die Integrität und die Qualität der Schlüssel, um Vertrauen den Nutzen und Sicherheit der Massnahmen zu erreichen.

 

Vorträge am Nachmittag geben Einblicke in die konkrete Anwendung

Am Nachmittag folgten Präsentationen verschiedener Mitglieder der Swiss Carbon Removal Platform, gefolgt von lebhaften Frage- und Antwort-Sessions:

  1. Als erstes präsentierte Pirmin Aregger das gegründete Start-up Recoal. Recoal benutzt karbonisiert feuchte Biomasse unter hoher Temperatur und hohen Druck, wobei Hydrochar entsteht. Das produzierte Hydrochar ist ein kohleähnliches Produkt und wird unterirdisch in geologischen Schichten gespeichert.  Das Projekt Hylock hat zum Ziel 700-900t CO2eq im Hagenbach stollen zu speichern. 
  2. Danach erklärte WSL-Mitarbeiter Rienk Smittenberg aus der Gruppe Boden-Biogeochemie der Einheit Wald- und Bodenökologie aus wissenschaftlicher Perspektive, wie Pflanzenkohle entsteht und welche Vorteile sowie Bedeutung sie für den gesamten Bereich der CO₂-Entfernung hat. In der anschliessenden Diskussionsrunde wurde zudem kritisch auf die Dauerhaftigkeit der Speicherung, mögliche Auswirkungen auf Bodentiere und die -gesundheit sowie auf unterschiedliche politische Regulierungen in der Schweiz und der EU eingegangen.
  3. Als dritte Kurzvorstellung hat Jakob Sturm das Start-up Tivano präsentiert. Konkret entfernt Tivano eine invasive Buschart in Namibia und lagert diese und somit den gebundenen Kohlenstoff unterirdisch. Damit die Kohlenstoffspeicherung gewährleistet ist, wird die Buschart in einem undurchlässigen Material versiegelt und unterirdisch gespeichert und mit diversen Sensoren beobachtet. Oberirdisch wird die traditionelle Pflanzenarten und Wiesen wieder aufgebaut und somit das Ökosystem gefördert.
  4. Welche Klimaschutz-Projekttypen braucht es für ein ausgewogenes Netto-Null Portfolio? Eine Frage die Moritz Bandhauer von myclimate häufig gestellt bekommt. Moritz gab Einblicke in die Beratungsarbeit von myclimate und die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen bei Unternehmen, die ihre Netto-Null-Ziele erreichen möchten, mit dem Einkauf von CDR als ein Puzzleteil im gesamten Portfolio.
  5. Last but not least präsentierte Elia Schneider von UniSieve AG ihre modular einsetzbare Membranen, mit denen Abgase aus molekularer Ebene gefiltert werden können. Statt Wärmeenergie benötigt der Prozess hauptsächlich Pumpen zur Erzeugung von Druckunterschieden. Diese Innovation macht Hoffnung, dass Energie-effiziente und umweltverträgliche CO2-Abscheidung in Reichweite ist, etwa für Bioenergie mit Carbon Capture and Storage (BECCS) in diversen Grössenordnungen. Jetzt braucht es nur noch die passenden ambitionierten Projekte an den Schweizer Punktquellen!

Den Abschluss des CDR-Tags in focusTerra bildete der Apéro des Carbon Removal Boosters mit Möglichkeit zur gemeinsamen Reflexion über die vielen Inputs der Veranstaltung sowie spannenden Pitches aus den Innovations-Teams, welche im Rahmen des Innosuisse Innovation Boosters ausgewählt und gefördert wurden. 

Insgesamt lässt sich zur ersten Climate Week Zurich resümmieren, dass CDR als Thema sehr stark vertreten war und wir uns sehr auf die nächste Climate Week freuen.