Challenge

«Das Wissen um die Gefahren eines ungebremsten Klimawandels und die bislang ungenügende Ablösung fossiler Energieträger erfordern es, die Negativemissions-technologien in die Langfristklimastrategie der Schweiz aufzunehmen. Ihre Kernaufgabe wird sein, 'unvermeidbare' Emissionen auszugleichen und auf diese Weise das übergeordnete Ziel Netto-Null für alle Treibhausgase bis 2050 zu ermöglichen.»

Bundesamt für Umwelt – 2018

Mit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens hat sich die Schweiz verpflichtet, ihre CO₂-Emissionen bis 2050 auf Netto-Null zu reduzieren, um die globale Erderwärmung auf unter 1.5° C zu begrenzen. Die Swiss Carbon Removal Platform (SCRP) baut auf der Überzeugung auf, dass neben einer rigorosen Reduktion der Treibhausgasemissionen auch Negativemissionen notwendig sind, um die Klimaschutzziele der Schweiz zu erfüllen. Dafür braucht es ein breites Portfolio an Massnahmen, welche CO₂ dauerhaft der Atmosphäre entziehen und speicherbar machen. Beim Ausbau von Negativemissionstechnologien (NET, auch als Carbon Dioxide Removal bezeichnet) muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Massnahmen nachhaltig und sozialverträglich sind – und sie nicht als Ausrede zum Verschleppen von Reduktionszielen genutzt werden.  Mehr…


Um ihre Klimaziele zu erreichen und einen Beitrag zur Vermeidung eines

katastrophalen Klimawandels zu leisten, muss die Schweiz:

1

Wirkungsvolle Massnahmen zur Treibhausgas-Emissionsreduktion ergreifen

__Emissionen entlang ganzer Wertschöpfungsketten reduzieren

__Mobilität, Wärmeversorgung und Industrie entkarbonisieren

__Emissionen in der Landwirtschaft senken

__Energie-Quellen effektiver und effizienter nutzen

2

Natürliche und technische Negativemissionstechno-logien (NET) ausbauen

__Unvermeidbare Emissionen mit NET kompensieren

__Berücksichtigung der Tatsache, dass NET keine Alternative für rigorose Emissionsreduktionen sein können

3

Eine umsichtige, vorausschauende und nachhaltige System-änderung sicherstellen

__Der Auf- und Ausbau von Klimaschutzmassnahmen und NET soll folgende Kriterien erfüllen:

___sozial verträglich + fair

___ökologisch nachhaltig

___ökonomisch tragfähig


HINTERGRUND


Aufgrund der fortschreitenden globalen Erwärmung lassen sich irreversible ökologische Veränderungen als Folgen des Klimawandels nur noch mit raschen und konsequenten Klimaschutz-Massnahmen verhindern.

Als Folge hat die Schweizer Klimapolitik in den letzten Jahren ihren Katalog der geplanten Massnahmen – neben diversen emissionsmindernden Policies – um den Einsatz von NET erweitert. Im Jahr 2018 hat der Bundesrat das Postulat 18.4211 angenommen, das eine offizielle Stellungnahme und Einschätzung der Bedeutung von negativen CO₂-Emissionen einfordert. Wenig später hat die Stiftung Risiko-Dialog im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU den Entwicklungsstand bestehender natürlicher und technologischer Verfahren zur Entfernung von CO₂ aus der Atmosphäre in einer massgebenden Studie erörtert. In den dafür geführten Stakeholder-Dialogen mit Experten aus der Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und NGOs wurden auch die Potenziale für die Schweiz und ihre Klimapolitik diskutiert. Sie kommen zum Schluss, dass der Einsatz von natürlichen und technologischen Kohlenstoff-Senken dringend notwendige Massnahmen zur Emissionsminderung in der Schweiz nicht nur zielführend ergänzen könnten, sondern mittel- und langfristig auch positive makroökonomische Impulse setzen könnte.

Im Jahr 2020 hat der zur Beantwortung des Postulats 18.4211 vom Bundesrat beauftragte Expertenbericht unter anderem bestätigt, dass der Einsatz von NET für die Erreichung der Schweizer Klimaziele – und insbesondere Netto-Null – unabdingbar sei. Im selben Jahr hat sich der Bundesrat im Rahmen seines Gegenvorschlags zur «Gletscherinitiative» für die Aufnahme des Netto-Null Ziels in die Verfassung ausgesprochen. Seit der Veröffentlichung der langfristigen Klimastrategie der Schweiz im Januar 2021 gehört der Einsatz von NET schliesslich ganz offiziell zu den geplanten klimapolitischen Massnahmen, um bis 2050 Netto-Null zu erreichen.

Daraus folgt die Notwendigkeit, bereits entwickelte NET weiter in Hinblick auf ihre Skalierbarkeit zu erforschen, zu testen und ihren Ausbau in der Praxis zu fördern. Mit dem Auf- und Ausbau der NET bieten sich der Schweizer Gesellschaft und Wirtschaft neben zahlreichen technischen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen auch Chancen und Mehrwerte. Im Kontext der angelaufenen Transformation der Weltwirtschaft hin zu Netto-Null-Emissionen werden für den sich im Aufbau befindlichen Wirtschaftszweig der NET enorme Wachstumsraten erwartet. Als heutiger Vorreiter in der Entwicklung von NET bieten sich der Schweiz dank ihrer hohen Innovationskraft enorme Potenziale für die Entwicklung eines zukunftsträchtigen und prosperierenden Exportsektors.

Für die anstehenden Entwicklungsschritte im Bereich der NET bleiben zwei Grundsätze zentral: Erstens die Maxime, dass Verfahren um die CO₂ aus der Atmosphäre entnehmen und speichern in den kommenden Jahren weder Alternative noch Ersatz für umfassende emissionsmindernde Massnahmen sein können. Für einen Grossteil der aktuellen CO₂-Emissionen ist die Minderung der viel einfachere und kostengünstigere Ansatz als deren nachträgliche «Kompensation» mit Negativemissionen. Zweitens muss der Auf- und Ausbau von NET in der Schweiz nicht nur ökologisch nachhaltig erfolgen, sondern auch die Sorgen, Erwartungen und Bedürfnisse der breiten Öffentlichkeit berücksichtigen. Dies betrifft neben der Voraussetzung der Verwendung von erneuerbaren Energien und dem Artenschutz insbesondere die langfristige Speicherung des Kohlenstoffs, welcher der Atmosphäre entzogen wird.